Reisekreditkarten: Worauf es unterwegs wirklich ankommt

Von Marco Zachskorn

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Im Urlaub zeigt sich, was eine Kreditkarte wirklich taugt – und viele merken es erst, wenn die Abrechnung kommt. Fremdwährungsgebühr hier, Bargeldgebühr da, eine Versicherung, die im Kleingedruckten doch nicht greift.

Ich habe 15 Jahre in der Finanzbranche gearbeitet, unter anderem als Geschäftsstellenleiter einer Bank und Führungskraft im Vertrieb. Ich zeige dir, worauf es bei einer Karte für unterwegs ankommt – und welche Fallen die meisten übersehen.

Mein Maßstab hier ist einfach: Eine gute Reisekreditkarte kostet dich unterwegs nichts Unnötiges, ist im Ausland zuverlässig akzeptiert und bringt dir echten Zusatznutzen – nicht Leistungen, die gut klingen, aber die du nie brauchst. Alles andere zahlst du mit, ohne es zu merken.

Das erwartet dich in diesem Ratgeber

Das ist der Punkt, an dem sich Reisekreditkarten am deutlichsten unterscheiden – und der, den die meisten übersehen.

Wichtig ist die richtige Trennlinie: Es geht nicht um „Inland gegen Ausland", sondern um die Währung. Entscheidend ist, ob du in Euro oder in einer Fremdwährung zahlst. „Kostenlos in Euro" heißt eben noch lange nicht „kostenlos in Fremdwährung". Zahlst du in US-Dollar, Thai-Baht oder Britischem Pfund, kann eine sogenannte Fremdwährungsgebühr (auch Auslandseinsatzentgelt genannt) anfallen – ein prozentualer Aufschlag auf jeden einzelnen Umsatz.

Auf der Karte steht trotzdem oft „kostenlos", weil sich das auf die Jahresgebühr bezieht. Die Fremdwährungsgebühr taucht erst auf der Abrechnung auf, Posten für Posten. Wer viel außerhalb des Euroraums zahlt, für den ist das der wichtigste Punkt – hier entscheidet sich, ob eine Karte auf Reisen günstig oder teuer ist.

Fremdwährungsgebühr: die zentrale Kostenfalle

Bezahlen in Fremdwährung kann mit der falschen Karte schnell teuer werden.

Und es gibt einen zweiten, versteckteren Kostenhebel: den Wechselkurs selbst. Manche Karten werben mit „ohne Fremdwährungsgebühr", schlagen aber einen Aufschlag auf den Umrechnungskurs auf – also auf den offiziellen Referenzkurs (etwa der EZB), zu dem eigentlich umgerechnet werden müsste. Ein kleiner Aufschlag ist gängige Praxis. Manche Anbieter greifen hier aber ordentlich zu, und das Ganze steht nicht als eigener Posten auf der Abrechnung, sondern steckt schon im Kurs. „Ohne Fremdwährungsgebühr" heißt also nicht automatisch „ohne Aufschlag".

Prüf-Frage vor der Reise: Fällt bei Zahlungen in Fremdwährung ein Aufschlag an – als Gebühr oder versteckt im Wechselkurs? Karten, die zum echten Referenzkurs abrechnen, gibt es. Ob deine dazugehört, steht im Preis- und Leistungsverzeichnis.

Bargeld im Ausland

Hier lauert eine zweite Gebühr, die viele erst am Automaten kennenlernen. Und hier ist häufig tatsächlich die Achse Inland/Ausland relevant – anders als bei der Fremdwährungsgebühr.

Ein paar Dinge, die du prüfen solltest:

  • Wo ist das Abheben gebührenfrei? Manche Karten erlauben kostenloses Bargeldabheben nur im Ausland, andere auch in Deutschland, wieder andere nirgends ohne Gebühr. Das ist von Karte zu Karte verschieden.

  • Gibt es einen Mindestbetrag? Bei einigen Karten ist das Abheben erst ab einer bestimmten Summe kostenlos – zum Beispiel ab 50 oder 100 Euro. Kleinere Beträge kosten dann extra. Wer unterwegs oft kleine Summen zieht, zahlt hier drauf.

  • Fallen zusätzlich Zinsen an? Bei echten Kreditkarten wird eine Bargeldabhebung oft ab dem ersten Tag verzinst – unabhängig davon, ob die Karte selbst „kostenlos" ist. Das ist eine der teuersten Arten, an Bargeld zu kommen.

Faustregel: Eine Karte, die fürs Bezahlen top ist, muss fürs Abheben noch lange nicht gut sein. Wenn du im Urlaub auf Bargeld angewiesen bist, prüfe beide Punkte getrennt.

Und noch ein Punkt, der nichts mit deiner Karte zu tun hat: Der Automatenbetreiber vor Ort kann ein eigenes Entgelt verlangen – zusätzlich, selbst wenn deine Karte eigentlich kostenlos abhebt. In den USA ist das weit verbreitet; der Automat zeigt dir die Gebühr meist vorher an und du kannst noch abbrechen. Ein Blick lohnt sich, bevor du bestätigst.

Viele Reisekreditkarten werben mit einem ganzen Paket an Versicherungen – Auslandsreisekranken, Reiserücktritt, Mietwagenschutz, Gepäck. Das klingt nach viel. Aber hier gilt ein Satz, den ich aus der Praxis immer wieder bestätigt sehe: Viel hilft nicht unbedingt viel.

Zwei Dinge entscheiden, ob eine mitversicherte Leistung für dich etwas wert ist:

Die Bedingungen. Eine Versicherung ist nur so gut wie ihr Kleingedrucktes. Greift der Schutz nur, wenn du die Reise mit genau dieser Karte bezahlt hast? Gibt es einen Selbstbehalt? Bis zu welcher Höhe und wie lange bist du überhaupt abgedeckt? Eine Reiserücktrittsversicherung, die im entscheidenden Moment nicht zahlt, ist kein Vorteil, sondern Marketing.

Reiseversicherungen: worauf es wirklich ankommt

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Eine Reiseversicherung ist nur dann nützlich, wenn sie auch zu deinem Reiseverhalten passt!

Dein eigenes Reiseverhalten. Eine Mietwagen-Versicherung nützt dir nichts, wenn du nie einen Wagen mietest. Ein üppiges Paket rechtfertigt keine Jahresgebühr, wenn du die Hälfte der Leistungen nie in Anspruch nimmst. Umgekehrt kann für einen Vielreisenden genau eine dieser Versicherungen den Ausschlag geben.

💡Mein Rat: Schau nicht auf die Länge der Liste, sondern auf die zwei, drei Leistungen, die zu deinen Reisen passen – und lies dort die Bedingungen wirklich.

Lounge-Zugang

Ein Vorteil, der bei Reisekreditkarten immer beliebter wird: Zugang zu Flughafen-Lounges. Der läuft meist über eines der gängigen Zugangsprogramme – Priority Pass, LoungeKey oder Dragon Pass –, die eine Karte mitbringen kann.

Worauf es dabei ankommt, sind vor allem die Bedingungen: Wie viele Besuche sind pro Jahr frei? Sind Begleitpersonen inklusive oder kosten sie extra? Und ab welchem Kartenmodell gibt es den Zugang überhaupt? „Lounge-Zugang inklusive" kann alles heißen von „unbegrenzt für dich und Begleitung" bis „zwei Besuche im Jahr, jede weitere kostenpflichtig".

Wie Lounge-Zugang über Kreditkarten genau funktioniert?Lounge-Zugang mit Kreditkarten

Neue Extras: eSIM & Co.

Ein Trend, der sich gerade abzeichnet und den du im Blick haben solltest: Immer mehr Karten und Konten geben monatliches eSIM-Datenguthaben dazu – zum Beispiel 1 GB pro Monat, das du auf Reisen fürs mobile Internet nutzen kannst, ohne dich um eine lokale SIM zu kümmern.

Anbieter, bei denen sich in diese Richtung etwas tut, sind unter anderem American Express, Miles & More (herausgegeben von der Deutschen Bank), N26 und Finom. Wie viel Guthaben es gibt und an welche Bedingungen es geknüpft ist, unterscheidet sich – und ändert sich gerade schnell. Für Vielreisende kann das ein echter Zusatznutzen sein, den man vor ein, zwei Jahren so noch nicht kannte.

Kreditkarten zum Meilen sammeln

Für viele hängt Reisen eng mit dem Sammeln von Meilen und Punkten zusammen – und tatsächlich sind viele Reisekreditkarten zugleich Meilenkarten: Du sammelst mit jedem Umsatz Meilen, die sich später in Flüge oder Upgrades umwandeln lassen. Ob sich das für dich rechnet, hängt davon ab, wie viel du ausgibst, bei welchem Programm du sammelst und ob eine mögliche Jahresgebühr durch den Gegenwert der Meilen gedeckt ist.

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Eine kostenlose Kreditkarte wie die Bank Norwegian Kreditkarte lohnt sich häufig als Zweitkarte

Und hier ein Punkt, der gerade auf Reisen paradox ist: Ausgerechnet einige der in Deutschland beliebtesten Meilenkarten verlangen hohe Fremdwährungsgebühren – etwa bei Miles & More oder American Express gängige Praxis. Du sammelst also fleißig Meilen fürs Reisen und zahlst genau dann, wenn du im Ausland bezahlst, kräftig drauf. Wer eine Karte fürs Meilensammeln nutzt, sollte fürs Bezahlen in Fremdwährung deshalb oft eine zweite, gebührenfreie Karte dabeihaben.

Das Thema ist groß genug für eine eigene Seite – deshalb halte ich es hier bewusst kurz.


Pro-Tipp: die DCC-Falle

Das ist der teuerste Fehler, den du auf Reisen mit Karte machen kannst – und fast niemand kennt ihn.

Wenn du im Ausland mit Karte zahlst oder Geld abhebst, fragt dich das Terminal oder der Automat manchmal, ob du in Euro statt in der Landeswährung abrechnen willst. Das nennt sich Dynamic Currency Conversion (DCC). Es klingt bequem – „ich sehe sofort, was es in Euro kostet" –, ist aber eine Kostenfalle. Denn der Wechselkurs wird dann nicht von deiner Bank gestellt, sondern vom Zahlungsdienstleister vor Ort – zu einem bewusst schlechten Kurs. In der Praxis zahlst du so schnell einen zweistelligen Prozentsatz mehr, also gut und gerne 10 Prozent extra.

Und das ist nicht dasselbe wie die Fremdwährungsgebühr deiner Karte – DCC kommt zusätzlich hinzu.

Die Regel ist einfach: Zahl und heb immer in der Landeswährung ab. Also Baht in Thailand, Dollar in den USA, Pfund in England – nie in Euro. Diese eine Angewohnheit spart dir auf jeder Reise bares Geld.


Du willst nicht jede Karte selbst auf all das prüfen? Welche Reisekreditkarten ich empfehle, findest du in meiner Empfehlungsübersicht

Häufige Fragen (FAQ)

Woran erkenne ich eine gute Reisekreditkarte?

An drei Dingen: keine oder geringe Fremdwährungsgebühr, faire Konditionen beim Bargeldabheben und – falls dir das wichtig ist – Zusatzleistungen wie Versicherungen oder Lounge-Zugang, die zu deinen Reisen passen. Nicht die längste Leistungsliste gewinnt, sondern die, die zu deinem Reiseverhalten passt.

Was ist der Unterschied zwischen Fremdwährungsgebühr und der DCC-Falle?

Die Fremdwährungsgebühr erhebt deine eigene Bank auf Zahlungen in fremder Währung. DCC ist etwas anderes: Dabei rechnet der Anbieter vor Ort deine Zahlung in Euro um – zu einem schlechten Kurs. Beides kann zusammenkommen. Deshalb immer in Landeswährung zahlen.

Muss eine Reisekreditkarte etwas kosten?

Nein. Es gibt Karten ohne Jahresgebühr, die auf Reisen gut funktionieren. Eine Jahresgebühr lohnt sich nur, wenn du die enthaltenen Zusatzleistungen – etwa bestimmte Versicherungen oder Lounge-Zugang – tatsächlich nutzt.

Kann ich mit jeder Kreditkarte im Ausland Bargeld abheben?

Technisch meist ja – die Frage ist, was es kostet. Manche Karten sind nur im Ausland gebührenfrei, manche erst ab einem Mindestbetrag, und bei echten Kreditkarten fallen fürs Abheben oft sofort Zinsen an. Das solltest du vor der Reise klären.

Du weißt jetzt, worauf es ankommt – und willst wissen, welche Karten das auch liefern? Ich habe die Reisekreditkarten für dich analysiert und zeige dir konkret meine Favoriten – und für wen sich welche lohnt.

Lieber persönlich? Wenn du nicht nur die richtige Karte, sondern eine Einschätzung zu deiner Gesamtsituation willst, sprich direkt mit mir im Strategiegespräch.

Marco Zachskorn Portraet

Über den Autor

Marco Zachskorn ist ehemaliger Bankfilialleiter, M.Sc. Business Administration und zertifizierter Coach. Nach 15 Jahren in der Finanzbranche – unter anderem als Geschäftsstellenleiter einer Bank und Führungskraft im Vertrieb – erklärt er heute, wie das Finanzsystem wirklich funktioniert: verständlich, ehrlich und ohne versteckte Agenda. Auf seinem YouTube-Kanal zeigt er, wie du bei Konten, Kreditkarten und Meilen das Beste für dich rausholst.

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