Kreditkarten zum Meilen sammeln: So funktioniert's
Von Marco Zachskorn
Mit jeder Kartenzahlung ein Stück näher an den nächsten Flug – das ist die Idee hinter dem Meilensammeln mit Kreditkarte. Klingt einfach, ist es im Kern auch. Aber ob sich eine Meilenkarte für dich lohnt, hängt an ein paar Punkten, die im Werbeprospekt gern untergehen.
Ich habe 15 Jahre in der Finanzbranche gearbeitet, unter anderem als Geschäftsstellenleiter einer Bank und Führungskraft im Vertrieb. Hier zeige ich dir, wie das Sammeln funktioniert, welche zwei Kartentypen es gibt – und für wen sich das wirklich rechnet.
Mein Maßstab: Eine Meile ist kein Selbstzweck. Sie ist nur so viel wert, wie du am Ende dafür bekommst – und nur dann etwas wert, wenn du sie auch einlöst. Wer Meilen sammelt und verfallen lässt, hat nichts gewonnen. Deshalb geht es hier nicht um „möglichst viele Meilen", sondern um die Karte, die zu deinem Reiseverhalten passt.
Das erwartet dich in diesem Ratgeber
Wie Meilensammeln mit Kreditkarte funktioniert
Das Grundprinzip ist schnell erklärt: Du zahlst mit der Karte, und für deinen Umsatz bekommst du Meilen oder Punkte gutgeschrieben. Diese sammelst du in einem Programm an – je nach Karte direkt als Airline-Meilen oder als flexible Punkte (dazu gleich mehr) – und löst sie später gegen Flüge oder andere Prämien ein.
Der Reiz liegt darin, dass du Meilen für Ausgaben bekommst, die du ohnehin hast – Einkäufe, Tanken, Rechnungen. Der Haken liegt darin, dass „Meilen sammeln" nicht gleich „günstig fliegen" bedeutet. Eine Karte kann dich über Jahresgebühr und Nebenkosten mehr kosten, als die Meilen am Ende wert sind. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Details, bevor du dich für eine Karte entscheidest.
Zwei Arten von Meilenkarten
Das ist der wichtigste Unterschied, den du verstehen solltest – er entscheidet, wie flexibel du beim Einlösen bist.
Airline-Kreditkarten (Co-Branding). Diese Karten schreiben dir Meilen direkt in einem Vielfliegerprogramm gut. Das bekannteste Beispiel in Deutschland ist die Miles & More Kreditkarte (herausgegeben von der Deutschen Bank), die Meilen direkt aufs Miles-&-More-Konto bucht. Ein weiteres Beispiel ist die Turkish Airlines Kreditkarte der Advanzia Bank, die Meilen direkt im Miles&Smiles-Programm sammelt. Vorteil: einfach und direkt, ohne Umwege. Nachteil: Du bist an die Welt einer Airline-Allianz gebunden.
Miles & More Kreditkarten der Lufthansa Group sind in Deutschland sehr beliebt
Karten mit flexiblem Punkteprogramm. Diese Karten sammeln keine Airline-Meilen, sondern eine eigene Punktewährung, die du später in verschiedene Vielfliegerprogramme übertragen kannst. Beispiele sind American Express mit den Membership Rewards oder Revolut mit den RevPoints. Vorteil: Flexibilität – du entscheidest erst beim Einlösen, in welches Programm die Punkte fließen. Nachteil: ein Schritt mehr (der Transfer), und die Übertragungsverhältnisse unterscheiden sich je nach Programm.
Der entscheidende Punkt ist die Flexibilität beim Einlösen: Wer weiß, dass er ohnehin fast immer mit einer bestimmten Airline-Welt fliegt, fährt mit einer Co-Branding-Karte oft einfacher. Wer sich alle Optionen offenhalten will, ist mit flexiblen Punkten besser bedient. Beides kann richtig sein – es hängt an deinem Reiseverhalten, nicht an der Werbung.
Worauf du bei einer Meilen-Kreditkarte achten solltest
Bevor du eine Karte allein wegen der Meilen nimmst, geh diese Punkte durch:
Die Sammelrate. Wie viele Meilen oder Punkte bekommst du je Euro Umsatz? Das ist der Kern – und variiert stark von Karte zu Karte.
Jahresgebühr gegen Meilenwert. Rechne die Jahresgebühr gegen den realistischen Wert der Meilen, die du sammelst. Eine teure Karte lohnt sich nur, wenn dein Umsatz hoch genug ist.
Verfallen die Meilen? Manche Programme lassen Meilen nach einer gewissen Zeit verfallen. Prüfe, ob und wie du sie schützt – verfallene Meilen sind verschenktes Geld.
Transferpartner und -verhältnis. Bei flexiblen Punkten entscheidend: In welche Programme kannst du übertragen, und zu welchem Verhältnis? Ein schlechtes Transferverhältnis frisst den Vorteil auf.
Der Willkommensbonus. Viele Karten locken mit einem einmaligen Meilenbonus. Der kann attraktiv sein – aber lass ihn nicht das einzige Kriterium sein, denn zahlen musst du die Jahresgebühr jedes Jahr.
Der Haken, den kaum jemand nennt
Hier kommt ein Punkt, der gerade auf Reisen paradox ist – und den dir kaum jemand sagt, der an diesen Karten verdient: Ausgerechnet einige der bekanntesten Meilenkarten in Deutschland verlangen hohe Fremdwährungsgebühren. Bei Miles & More und American Express ist das gängige Praxis.
Kartenzahlungen können im Ausland mit der falschen Karte schnell teuer werden
Das heißt: Du sammelst fleißig Meilen fürs Reisen und zahlst genau dann drauf, wenn du im Ausland mit der Karte zahlst. Die Meilen auf der einen Seite, die Fremdwährungsgebühr auf der anderen – unterm Strich kann das den Vorteil auffressen.
💡Mein Rat: Wer eine Karte fürs Meilensammeln nutzt, sollte fürs Bezahlen in Fremdwährung oft eine zweite, gebührenfreie Karte dabeihaben. Worauf es dabei ankommt, liest du in meinem Ratgeber zu Reisekreditkarten.
Was ist eine Meile wert?
Eine Frage, die sich zu selten jemand stellt – dabei entscheidet sie über alles. Eine Meile hat keinen festen Wert. Was sie dir bringt, hängt davon ab, wie du sie einlöst.
Löst du Meilen für einen günstigen Kurzstreckenflug ein, ist ihr Gegenwert eher gering. Setzt du dieselbe Menge dagegen für einen echten Business- oder First-Class-Prämienflug auf der Langstrecke ein, kann jede Meile ein Vielfaches wert sein.
Meilen ermöglichen richtige Luxuserlebnisse hoch über den Wolken
💡Ein Hinweis aus der Praxis: Upgrades von Economy auf Business bringen inzwischen häufig deutlich weniger Gegenwert als ein direkt gebuchter Prämienflug in der höheren Klasse – rechne hier genau, bevor du deine Meilen einsetzt. Deshalb ist „möglichst viele Meilen sammeln" nur die halbe Wahrheit – entscheidend ist, wie clever du sie wieder einsetzt. Sammle also nicht blind, sondern mit einer ungefähren Vorstellung davon, wofür du die Meilen am Ende nutzen willst.
Für wen sich das lohnt – und für wen nicht
Ehrlich gesagt: Meilensammeln mit Kreditkarte lohnt sich nicht für jeden.
Es lohnt sich, wenn du genug Umsatz über die Karte machst, um überhaupt nennenswert Meilen zu sammeln – und wenn du die Meilen anschließend auch tatsächlich einlöst, idealerweise für höherwertige Prämien wie Langstrecke oder Upgrades.
Es lohnt sich eher nicht, wenn du wenig Umsatz hast, unregelmäßig fliegst oder dazu neigst, Meilen liegen und verfallen zu lassen. In dem Fall ist eine simple Cashback-Karte oft die bessere Wahl: Du bekommst einen festen Prozentsatz zurück, ohne dich um Programme, Transfers und Verfallsdaten kümmern zu müssen. Bares Geld schlägt eine ungenutzte Meile immer.
Kurz: Meilen sind etwas für Menschen, die gern reisen und sich ein bisschen mit dem Einlösen beschäftigen wollen. Wer das nicht will, fährt mit Cashback entspannter.
Karten mit Meilen-Programm im Detail
Zu einzelnen Karten fürs Meilensammeln findest du hier ausführliche Detailseiten:
Miles & More Kreditkarten – (Detailseite in Vorbereitung)
American Express – (Detailseite in Vorbereitung)
(weitere folgen)
Häufige Fragen (FAQ)
Wie funktioniert Meilensammeln mit Kreditkarte?
Du zahlst mit der Karte und bekommst für deinen Umsatz Meilen oder Punkte gutgeschrieben, die du in einem Programm sammelst und später gegen Flüge oder andere Prämien einlöst. Manche Karten buchen Meilen direkt in ein Vielfliegerprogramm, andere sammeln flexible Punkte, die du erst beim Einlösen in ein Programm überträgst.
Was ist besser: Airline-Karte oder flexible Punkte?
Das hängt von dir ab. Fliegst du fast immer in derselben Airline-Welt, ist eine direkte Co-Branding-Karte einfacher. Willst du flexibel bleiben, sind Karten mit übertragbaren Punkten (etwa Membership Rewards oder RevPoints) im Vorteil – dafür ist ein Transferschritt nötig.
Lohnt sich eine Meilenkarte mit Jahresgebühr?
Nur, wenn dein Umsatz hoch genug ist und du die Meilen auch einlöst. Rechne die Jahresgebühr gegen den realistischen Meilenwert. Wer wenig sammelt oder Meilen verfallen lässt, fährt mit einer Cashback-Karte oft besser.
Verfallen gesammelte Meilen?
Je nach Programm ja. Manche Meilen verfallen nach einer bestimmten Zeit ohne Aktivität, manche lassen sich schützen. Das solltest du vor der Wahl deines Programms klären.
Du weißt jetzt, wie Meilensammeln funktioniert – und suchst eine konkrete Karte? Als Einstieg zeige ich dir meine Empfehlungen zu den Miles & More Kreditkarten – dem bekanntesten Meilenprogramm in Deutschland.
Lieber persönlich? Wenn du nicht nur die richtige Karte, sondern eine Einschätzung zu deiner Gesamtsituation willst, sprich direkt mit mir im Strategiegespräch.
Über den Autor
Marco Zachskorn ist ehemaliger Bankfilialleiter, M.Sc. Business Administration und zertifizierter Coach. Nach 15 Jahren in der Finanzbranche – unter anderem als Geschäftsstellenleiter einer Bank und Führungskraft im Vertrieb – erklärt er heute, wie das Finanzsystem wirklich funktioniert: verständlich, ehrlich und ohne versteckte Agenda. Auf seinem YouTube-Kanal zeigt er, wie du bei Konten, Kreditkarten und Meilen das Beste für dich rausholst.