Meilen sammeln: Alle Wege, die sich wirklich lohnen
Von Marco Zachskorn
Die meisten denken beim Meilensammeln nur ans Fliegen. Dabei entsteht der Großteil vieler Meilenkonten längst am Boden: beim Einkaufen, über Partner, mit der richtigen Karte und über Aktionen, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Ich habe 15 Jahre in der Finanzbranche gearbeitet – und sammle selbst seit Jahren gezielt Meilen, die ich bevorzugt für Business-Class-Flüge einlöse.
Die QSuite ist für viele Meilensammler ein beliebtes Ziel
Hier zeige ich dir alle relevanten Sammelwege, was sie taugen und wo du dir die Mühe sparen kannst. Mein Maßstab vorweg: Eine Meile ist nur so viel wert, wie du beim Einlösen dafür bekommst. Sammle deshalb nie um des Sammelns willen – sondern mit einem Ziel vor Augen.
Das erwartet dich in diesem Ratgeber
Das Grundprinzip: Meilen, Punkte, Programme
Meilen sind die Währung von Vielfliegerprogrammen. Du sammelst sie auf einem Meilenkonto – etwa bei Miles & More, Flying Blue oder im Avios-System – und löst sie später gegen Flüge, Upgrades oder andere Prämien ein.
Daneben gibt es flexible Punkteprogramme wie American Express Membership Rewards oder die RevPoints von Revolut. Die sammeln keine Airline-Meilen, sondern eine eigene Punktewährung, die du erst beim Einlösen in ein Vielfliegerprogramm überträgst. Und es gibt Zubringer wie Payback: kein Meilenprogramm, aber die Punkte lassen sich zu Miles & More übertragen – womit dein Wocheneinkauf plötzlich aufs Meilenkonto einzahlt.
Wichtig zu verstehen: Meilen und Punkte sind nicht frei untereinander tauschbar. Welche Transfers möglich sind und zu welchem Tauschverhältnis, legt jedes Programm selbst fest. Deshalb lohnt es sich, früh zu entscheiden, in welchem Programm (oder welcher Programmwelt) du sammelst – sonst verzetteln sich deine Meilen auf fünf Konten, und keins reicht für einen Prämienflug.
Weg 1: Meilen beim Fliegen sammeln
Der klassische Weg – aber er hat sich verändert. Früher gab es Meilen nach geflogener Distanz, heute richten sich die Gutschriften meistens nach dem Ticketpreis: Je mehr dein Flug kostet, desto mehr Meilen bekommst du. Bei manchen Partner-Airlines wird weiterhin nach Distanz gutgeschrieben – das regelt jedes Programm selbst.
Das bedeutet ehrlicherweise: Wer nur ab und zu einen günstigen Economy-Flug bucht, sammelt beim Fliegen allein kaum nennenswert Meilen. Interessant wird das Fliegen als Sammelweg vor allem für Vielflieger, Geschäftsreisende und alle, die ohnehin teurere Tickets buchen.
Die normale Business Class von Qatar Airways erfüllt bereits sehr hohe Standards
Zwei Dinge solltest du trotzdem immer tun, auch als Gelegenheitsflieger:
Meilennummer bei jeder Buchung angeben. Kostet nichts, und auch kleine Gutschriften summieren sich. Vergessene Flüge lassen sich bei den meisten Programmen nachträglich gutschreiben – aber nur innerhalb einer Frist. Bei Miles & More sind es 6 Monate.
Allianzen nutzen. Du musst nicht mit Lufthansa fliegen, um Miles & More zu füttern: Flüge mit Partner-Airlines derselben Allianz (bei Lufthansa: Star Alliance) lassen sich ebenfalls gutschreiben. Prüfe deshalb vor der Buchung: Welches deiner Programme kann diesen Flug gutschreiben – und wo bringt er dir am meisten?
Weg 2: Meilen im Alltag sammeln
Hier liegt für die meisten Menschen der größere Hebel – weil der Alltag jeden Tag stattfindet, der nächste Flug aber vielleicht erst in Monaten.
Payback als Meilen-Zubringer. Payback-Punkte, gesammelt beim ganz normalen Einkauf, lassen sich im Verhältnis 1:1 zu Miles & More übertragen – manchmal sogar mit Transferbonus obendrauf.
Wichtig: Der Transfer funktioniert nur Richtung Miles & More – nicht zu Amex Membership Rewards oder anderen Programmen. Wer ohnehin bei Payback-Partnern einkauft, verschenkt ohne diesen Transfer bares Meilenpotenzial.
Hotel- und Mietwagenpartner. Viele Vielfliegerprogramme schreiben dir Meilen für Hotelbuchungen und Mietwagen bei Partnern gut. Die Raten schwanken stark – vergleiche trotzdem immer den Endpreis: Ein teureres Hotel wegen ein paar Meilen zu buchen, ist ein Verlustgeschäft.
Payback bietet offline wie online viele Sammelmöglichkeiten im Alltag
Online-Shopping über Programmportale. Einige Programme betreiben eigene Shopping-Portale oder Partnernetzwerke: Du startest deinen Einkauf über deren Link und bekommst Meilen pro Euro Umsatz. Gleiche Ware, gleicher Preis, Meilen obendrauf – einer der wenigen echten „Nebenbei"-Wege. Das reicht übrigens bis zur Essensbestellung: Auch bei Lieferando kannst du aktuell Meilen für Miles & More sammeln.
Newsletter und Bonusaktionen der Programme. Unspektakulär, aber wirksam: Programme belohnen regelmäßig Dinge wie Profilvervollständigung, App-Nutzung oder Partneraktionen mit Extrameilen.
Weg 3: Meilen mit Kreditkarten sammeln
Für viele der wichtigste Sammelweg überhaupt: Du zahlst mit der Karte und bekommst für deinen Umsatz Meilen oder Punkte gutgeschrieben – für Ausgaben, die du ohnehin hast. Dabei gibt es zwei Kartentypen: Karten, die Meilen direkt in einem Vielfliegerprogramm gutschreiben, und Karten mit flexiblen Punkten, die du später überträgst.
Welche Karte zu dir passt, worauf du bei Gebühren achten musst und welchen teuren Haken ausgerechnet beliebte Meilenkarten im Ausland haben – das habe ich in einem eigenen Ratgeber aufgeschrieben: Kreditkarten zum Meilen sammeln.
Weg 4: Aktionen und Transferboni
Der Sammelweg mit dem größten Hebel – und der vergänglichste. Programme und Partner bieten regelmäßig zeitlich befristete Aktionen: Transferboni (mehr Meilen beim Punktetransfer), erhöhte Willkommensboni oder Extrameilen bei Partnern. Wer solche Aktionen gezielt mitnimmt, kann sein Meilenkonto in kurzer Zeit deutlich füllen.
Konkrete Zahlen nenne ich hier bewusst nicht – sie wären in wenigen Wochen veraltet. Regelmäßig gibt es Transferboni und Sonderaktionen; die aktuellen Aktionen findest du in meinem Blog. Oder du lässt sie dir schicken: In meinem Newsletter fasse ich zusammen, was sich wirklich lohnt.
Eine Warnung aus der Praxis: Übertrage Punkte nicht „auf Vorrat" nur wegen eines Bonus, wenn du keine Einlösung im Blick hast. Flexible Punkte sind wertvoller als festgelegte Meilen – ein Transfer ist eine Einbahnstraße. Dazu kommt: Meilen und Punkte werden von den Programmen regelmäßig abgewertet. Was du heute überträgst und liegen lässt, kann morgen weniger wert sein. Übertrage also nur, was du zeitnah einlösen willst.
Der häufigste Fehler beim Sammeln
Er klingt banal, kostet aber die meisten Meilen: sammeln ohne Ziel. Wer überall ein bisschen sammelt – hier ein Konto, dort ein Programm –, hat am Ende fünf halbvolle Meilenkonten und keinen einzigen Prämienflug. Dazu kommt der Verfall: In vielen Programmen verfallen Meilen nach einer bestimmten Zeit. Bei Miles & More sind es 36 Monate, wenn keine Kreditkarte mit Meilenschutz dahintersteht. Bei Avios sind es 36 Monate ohne jede Kontoaktivität.
💡Mein Rat: Entscheide dich für ein Hauptprogramm (oder eine Programmwelt), das zu deinen Reisezielen und deiner Heimat-Airline passt. Bündle deine Sammelwege darauf. Und setz dir ein konkretes Ziel – etwa einen Business-Class-Flug auf einer Strecke, die du wirklich fliegen willst. Dann weißt du jederzeit, wie weit du bist, und deine Meilen verfallen nicht ungenutzt.
Für wen sich Meilensammeln lohnt – und für wen nicht
Es lohnt sich, wenn du gern reist, bereit bist, dich ein wenig mit Programmen und Einlöseregeln zu beschäftigen, und genug Sammelvolumen zusammenbekommst – über Flüge, Alltagsausgaben, Kartennutzung oder Aktionen. Besonders lohnt es sich, wenn dein Ziel höherwertige Einlösungen sind: Business oder First auf der Langstrecke bringen pro Meile den mit Abstand größten Gegenwert.
Es lohnt sich eher nicht, wenn du selten fliegst, wenig Umsatz hast oder dich das Thema eigentlich nervt. Dann ist Cashback die ehrlichere Wahl: fester Gegenwert, kein Verfall, kein Regelwerk. Bares Geld schlägt eine ungenutzte Meile immer – das schreibe ich auch als jemand, der Meilen liebt.
Du weißt jetzt, wie du Meilen sammelst – aber gesammelt ist erst die halbe Miete. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, entscheidet sich beim Einlösen. Genau dort machen aber die meisten die teuersten Fehler.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie kann ich Meilen sammeln, ohne zu fliegen?
Über Alltagswege: Payback-Punkte zu Miles & More übertragen, Kreditkartenumsätze, Hotel- und Mietwagenpartner, Shopping-Portale der Programme und Bonusaktionen. Für viele Menschen entsteht so der Großteil des Meilenkontos – ganz ohne Flug.
Bei welchem Programm sollte ich sammeln?
Bei dem, dessen Airlines du realistisch fliegst. Wer meist ab Deutschland mit der Lufthansa-Gruppe unterwegs ist, landet fast automatisch bei Miles & More. Wer flexibel bleiben will, sammelt flexible Punkte (etwa Membership Rewards) und entscheidet erst beim Einlösen. Entscheidend ist: ein Hauptprogramm statt fünf halbvoller Konten.
Verfallen Meilen?
In vielen Programmen ja. Bei Miles & More verfallen Meilen nach 36 Monaten, wenn keine Kreditkarte mit Meilenschutz dahintersteht; bei Avios nach 36 Monaten ohne Kontoaktivität. Prüfe die Verfallsregeln deines Programms, bevor du groß einsteigst – verfallene Meilen sind komplett verschenkt.
Lohnt sich Meilensammeln auch bei wenig Umsatz?
Ehrlich: meistens nicht. Wer wenig sammelt, erreicht keine sinnvolle Einlösung, bevor Meilen verfallen oder das Interesse. In dem Fall ist eine Cashback-Karte die entspanntere Wahl.
Über den Autor
Marco Zachskorn ist ehemaliger Bankfilialleiter, M.Sc. Business Administration und zertifizierter Coach. Nach 15 Jahren in der Finanzbranche – unter anderem als Geschäftsstellenleiter einer Bank und Führungskraft im Vertrieb – erklärt er heute, wie das Finanzsystem wirklich funktioniert: verständlich, ehrlich und ohne versteckte Agenda. Auf seinem YouTube-Kanal zeigt er, wie du bei Konten, Kreditkarten und Meilen das Beste für dich rausholst.
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