RevPoints erklärt: Das Punkteprogramm von Revolut
Von Marco Zachskorn
Revolut kennen die meisten als Konto- und Karten-App – dass darin mit RevPoints ein eigenes Punkteprogramm steckt, wissen deutlich weniger. Und das Programm hat einen echten Trumpf im Ärmel: Der Transfer in Vielfliegerprogramme läuft immer im Verhältnis 1:1 – aus einem Punkt wird eine ganze Meile, ohne Reibungsverlust.
Ich habe 15 Jahre in der Finanzbranche gearbeitet und ordne dir hier ehrlich ein, wie RevPoints funktionieren, für wen sie ein netter Bonus sind – und in welcher einen Konstellation sie sogar als Hauptstrategie taugen.
Das erwartet dich in diesem Ratgeber
Was sind RevPoints?
RevPoints sind das Punkteprogramm von Revolut, fest eingebaut in die Revolut-App. Für Umsätze mit deiner Revolut-Karte sammelst du Punkte – daneben gibt es weitere Sammelwege in der App, etwa über In-App-Buchungen von Aufenthalten und Erlebnissen, Einkäufe über Revolut Shops, die Rundung von Wechselgeld – dazu habe ich eine klare Meinung –, Zahlungen mit Revolut Pay oder ein Mindestguthaben im Pocket.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Umsatz zählt – Finanztransaktionen wie Überweisungen, Krypto-Käufe oder Wallet-Aufladungen bringen keine Punkte.
Die Punkte selbst sind – wie Membership Rewards Punkte bei Amex – eine flexible Zwischenwährung: Du legst dich nicht beim Sammeln auf ein Vielfliegerprogramm fest, sondern erst beim Übertragen. Genau da hat Revolut sein stärkstes Argument, dazu gleich mehr.
RevPoints sammeln: die Raten je Revolut-Plan
Wie schnell dein Punktekonto wächst, hängt komplett von deinem Revolut-Plan ab – und die Spreizung ist enorm:
Standard und Plus: 10 € Umsatz = 1 RevPoint (effektiv 0,1 Meilen pro Euro)
Premium: 4 € Umsatz = 1 RevPoint (effektiv 0,25 Meilen pro Euro)
Metal: 2 € Umsatz = 1 RevPoint (effektiv 0,5 Meilen pro Euro)
Ultra: 1 € Umsatz = 1 RevPoint (effektiv 1 Meile pro Euro)
Die ehrliche Einordnung dazu: In den unteren Plänen ist die Sammelrate so niedrig, dass RevPoints ein Mitnahme-Effekt bleiben – nett, aber keine Strategie. Interessant wird es ganz oben: Mit Revolut Ultra sammelst du einen Punkt pro Euro und überträgst 1:1 in Meilen – effektiv also eine Meile pro Euro Umsatz. Damit gilt Revolut Ultra tatsächlich als Konkurrenz zur Amex Platinum.
Ob sich der Plan lohnt, entscheiden aber seine Gesamtleistungen und die Gebühr – nie die Punkte allein. Was Revolut als Konto und Karte taugt, schaue ich mir separat an.
Revolut Transferpartner: der 1:1-Trumpf
Jetzt zum stärksten Argument des Programms: RevPoints lassen sich in zehn Vielfliegerprogramme übertragen – und das Transferverhältnis ist immer 1:1. Kein 5:4, kein 3:2, kein Reibungsverlust wie bei den Membership Rewards Punkten. Die Partner:
AerClub (Aer Lingus)
The British Airways Club
Etihad Guest
Finnair Plus
Flying Blue (Air France/KLM)
Iberia Plus
Miles&Smiles (Turkish Airlines)
Privilege Club (Qatar Airways)
TAP Miles&Go
Vueling Club
Auch die QSuite ist mit RevPoints erreichbar
Zwei Dinge stechen heraus:
Gleich sechs Türen in die Avios-Welt. Mit dem British Airways Club, Iberia Plus, dem Privilege Club, Finnair Plus, AerClub und dem Vueling Club führen sechs der zehn Partner in das Avios-System – und zwar 1:1, wo der Amex-Transfer nur 5:4 oder 3:2 bietet. Warum das spannend ist, liest du auf meiner Avios-Seite.
Miles & More ist nicht dabei. Wer auf Lufthansa-Prämienflüge spart, kommt über RevPoints nicht ans Ziel – die Supermarkt- und App-Welt für Miles & More heißt weiterhin Payback.
Und wie bei jedem flexiblen Punkteprogramm gilt: Der Transfer ist eine Einbahnstraße. Übertrage erst, wenn eine konkrete Einlösung ansteht. Aktuelle Aktionen und Transferboni findest du in meinem Blog.
RevPoints Wechselgeld: sammeln oder Punkte kaufen?
Eine Funktion in der App verdient eine eigene Einordnung, weil sie regelmäßig missverstanden wird: das Revolut Wechselgeld. Das Prinzip kennst du vom Sparschwein – du zahlst mit der Karte 4,60 Euro, Revolut rundet auf 5 Euro auf, und aus den 40 Cent Differenz werden RevPoints. Wer mag, verstärkt das mit einem Multiplikator von zwei bis zehn: Bei Faktor zehn wird dann nicht um 40 Cent aufgerundet, sondern um 4 Euro.
Entscheidend ist der Kurs dahinter, und der ist fest: 2 Cent Wechselgeld ergeben einen RevPoint.
Meine ehrliche Einordnung: Wechselgeld sparen ist kein Sammeln – es ist ein Kauf. Beim normalen Sammeln bekommst du die Punkte obendrauf, auf Umsätze, die ohnehin laufen; sie kosten dich nichts extra. Beim Wechselgeld gibst du zusätzliches Geld aus, um an Punkte zu kommen – zu einem Stückpreis von 2 Cent. Und weil RevPoints 1:1 in Meilen fließen, heißt das im Klartext: Du kaufst Meilen für 2 Cent das Stück.
Beim Wechselgeld sparen hängt die Sinnhaftigkeit unter anderem davon ab, welcher Wert bei der Einlösung erzielt wird.
Daraus folgen zwei Dinge:
Es rechnet sich erst oberhalb von 2 Cent pro Meile. Als grober Richtwert werden Meilen häufig mit rund 2 Cent bewertet – du kaufst hier also exakt zum Durchschnittspreis ein und hast damit erst einmal nichts gewonnen. Ein Plus entsteht nur bei einer überdurchschnittlichen Einlösung, typischerweise einem Prämienflug in Business oder First auf der Langstrecke. Nur: Diese Einlösung musst du erst finden und buchen – bezahlt hast du die Punkte längst. Wie du den Wert einer Einlösung berechnest, zeige ich dir im Ratgeber Meilen einlösen.
Meilen direkt kaufen ist fast immer günstiger. Mehrere Programme verkaufen ihre Meilen und Avios selbst – bei Kaufaktionen regelmäßig zu Preisen deutlich unter 2 Cent. Wer bewusst Meilen zukaufen will, ist dort schlicht besser aufgehoben.
Meilenkauf ist möglicherweise der günstigere Weg in die Business Class
Unterm Strich: Rein rational ergibt die Wechselgeld-Funktion keinen Sinn. Du kaufst Punkte zu einem Preis, den du an anderer Stelle unterbietest – und parkst sie dann auf einem Konto, dessen Punkte nach 36 Monaten hart verfallen. Mit einem hohen Multiplikator summiert sich das über den Monat spürbar, ohne dass es sich je wie eine Ausgabe anfühlt. Genau das ist mein Kritikpunkt: Es fühlt sich nach Sparen an und ist das Gegenteil davon.
Wenn dir die Funktion trotzdem gefällt, weil sie dein Punktekonto nebenbei füllt – völlig in Ordnung, das ist deine Entscheidung. Triff sie nur mit offenen Augen: Das ist kein Sammeltrick, das ist ein Einkauf zu 2 Cent pro Meile.
RevPoints einlösen: die Wege in der App
Neben dem Meilentransfer bietet Revolut direkte Einlösungen in der App an:
Buchungen von Aufenthalten und Erlebnissen
Geschenkkarten
Rabatte beim Bezahlen mit Revolut Pay
eSIM-Datenpakete,
Spenden
bis hin zu Karten-Designs.
Einen festen Geldwert haben RevPoints dabei nicht; den konkreten Einlösewert zeigt dir die App je Option an.
Meine klare Empfehlung: Miss jede dieser Optionen am Meilentransfer. Dank des 1:1-Verhältnisses ist die übertragene Meile fast immer der wertvollste Einsatz – vorausgesetzt, du löst sie anschließend gut ein. Wie du den Wert einer Einlösung berechnest, zeige ich dir im Ratgeber Meilen einlösen. Direkt-Einlösungen in der App sind Bequemlichkeit – manchmal okay, selten optimal.
Wann verfallen RevPoints?
Ja, und hier ist Revolut strenger als andere Programme: RevPoints verfallen 36 Monate nach der Gutschrift – pro Punkt, unwiderruflich und ohne Verlängerungsmechanismus. Anders als bei Avios setzt keine Kontoaktivität den Timer zurück; was du nicht rechtzeitig einlöst oder überträgst, ist weg.
Immerhin denkt die App beim Einlösen mit: Punkte, deren Ablauf näher rückt, werden bevorzugt verbraucht. Verlassen würde ich mich darauf trotzdem nicht. Mein Rat: Behandle RevPoints nicht als Sparbuch – sammle mit Ziel, und übertrage rechtzeitig in ein Vielfliegerprogramm, wenn eine Einlösung absehbar ist. Dort gelten dann die Verfallsregeln des Zielprogramms.
Für wen sich RevPoints lohnen – und für wen nicht
RevPoints lohnen sich, wenn du Revolut ohnehin nutzt – als Reisekonto, fürs Bezahlen im Ausland oder als Zweitkarte. Dann sind die Punkte ein echter Bonus auf Umsätze, die sowieso laufen, und dank des 1:1-Transfers wird auch aus kleinen Punkteständen etwas Brauchbares. Und es gibt die eine Konstellation, in der RevPoints mehr sind als ein Bonus: Revolut Ultra mit seiner 1:1-Sammelrate – für alle, die eine Alternative zur Amex Platinum suchen und die Ultra-Leistungen ohnehin nutzen würden.
RevPoints lohnen sich eher nicht als Hauptstrategie in den unteren Plänen – bei 0,1 bis 0,5 Meilen pro Euro kommt schlicht zu wenig zusammen. Wer ernsthaft auf Business-Class-Prämienflüge spart, fährt mit dem Membership Rewards Programm oder einem gezielten Setup schneller. Und wer auf Miles & More sammelt, braucht RevPoints gar nicht erst anzuschauen – Lufthansa ist kein Partner.
Du willst wissen, ob Revolut zu dir passt? Punkte sind das eine – entscheidend ist, ob Konto und Karte im Alltag und auf Reisen überzeugen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was sind RevPoints?
Das Punkteprogramm von Revolut: Du sammelst Punkte auf Kartenumsätze und weitere Aktionen in der App – die Sammelrate hängt von deinem Revolut-Plan ab. Die Punkte lassen sich anschließend 1:1 in zehn Vielfliegerprogramme übertragen.
Wie viele RevPoints bekomme ich pro Euro?
Das richtet sich nach deinem Plan: Standard und Plus 1 Punkt je 10 €, Premium 1 Punkt je 4 €, Metal 1 Punkt je 2 €, Ultra 1 Punkt je 1 €. Übersetzt in Meilen (dank 1:1-Transfer): 0,1 bis 1 Meile pro Euro Umsatz.
Lohnt sich die Wechselgeld-Funktion bei Revolut?
Rational betrachtet nein. Beim Wechselgeld kaufst du RevPoints zu 2 Cent pro Punkt – und damit, dank des 1:1-Transfers, Meilen zu genau dem Preis, mit dem sie im Schnitt ohnehin bewertet werden. Ein Gewinn entsteht erst bei einer überdurchschnittlichen Einlösung. Wer gezielt Meilen zukaufen will, bekommt sie bei den Kaufaktionen der Programme meist deutlich günstiger.
Kann ich RevPoints in Meilen umwandeln?
Ja, immer im Verhältnis 1:1 – unter anderem zu Flying Blue und in die Avios-Welt (British Airways Club, Iberia Plus, Privilege Club, Finnair Plus) sowie zu Etihad Guest, Miles&Smiles und TAP Miles&Go. Miles & More ist kein Partner. Übertrage erst, wenn eine konkrete Einlösung ansteht – der Transfer ist eine Einbahnstraße.
Verfallen RevPoints?
Ja, hart nach 36 Monaten ab Gutschrift – pro Punkt und ohne Verlängerung durch Kontoaktivität. Was bis dahin nicht eingelöst oder übertragen ist, verfällt.
Lohnt sich ein bezahlter Revolut-Plan für die Punkte?
In den unteren Plänen: nein – die Punkte sind dort ein Bonus, kein Argument. Anders bei Ultra: 1 Punkt pro Euro plus 1:1-Transfer ergeben effektiv 1 Meile pro Euro, was den Plan zur echten Amex-Platinum-Alternative macht – wenn seine übrigen Leistungen zu dir passen. Rechne den Plan immer über das Gesamtpaket.
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Über den Autor
Marco Zachskorn ist ehemaliger Bankfilialleiter, M.Sc. Business Administration und zertifizierter Coach. Nach 15 Jahren in der Finanzbranche – unter anderem als Geschäftsstellenleiter einer Bank und Führungskraft im Vertrieb – erklärt er heute, wie das Finanzsystem wirklich funktioniert: verständlich, ehrlich und ohne versteckte Agenda. Auf seinem YouTube-Kanal zeigt er, wie du bei Konten, Kreditkarten und Meilen das Beste für dich rausholst.